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Am
18. August 2003 starb unser Freund Erdal
Vorbild und Freund
Ein Nachwort auf Engin Sincer (Heval Erdal)
Gemessen an der
geleisteten Arbeit, an Kühnheit, Bewusstsein, Verbundenheit mit der
Bevölkerung und Willenskraft war unser Freund Erdal ein
vorbildlicher Aktivist. Sein ganzes Leben hat er dem Freiheitskampf
gewidmet, auf jedem Gebiet sowie in schwierigen Zeiten ist er immer
Vertreter dieser Arbeit gewesen.
Der Freiheitskampf hat
heute ein bestimmtes Niveau erreicht und verfügt über viele Werte;
zweifellos ist das den Menschen zu verdanken, die ihr Leben für die
Freiheit gaben. Ob in den Bergen, Gefängnissen oder Metropolen,
überall brachten sie mit ihrer Entschlossenheit den Freiheitskampf
des kurdischen Volkes ein Stück weiter.
1969 ist unser Freund
Erdal in Pazarcik geboren. Seine Familie und sein Bekanntenkreis
sind in den späten 70er Jahren durch die neue Entwicklung der PKK
und deren Freiheitsbewegung beeinflusst worden. Nach dem Massaker
von Maras war die Familie gezwungen Kurdistan zu verlassen und nach
Deutschland zu gehen. Bei deutschen Freunden ist Erdal sehr beliebt
gewesen und hat in seiner Umgebung tiefe Spuren hinterlassen.
Heval Erdal machte sich
in seinen jungen Jahren mit der kurdischen Volksdemokratie und dem
Freiheitskampf bekannt. Die Familie war patriotisch gesinnt und mit
Pazarciks ersten Revolutionären Mustafa Yöndem (Erdal) und Battal
Evsan verwandt. Kemal Pir, einer der Gründerkader der
Freiheitsbewegung, hat die Familie Mitte der 70er Jahre besucht. Das
alles hat bei ihnen eine nachhaltige Wirkung gezeigt.
Die Beziehung zur
Bewegung hat die Familie auch in Deutschland weiter aufrecht
erhalten. 1986 hat Heval Erdal die Mainzer Kurdistan-Kulturvereinigung
besucht, nach kurzer Zeit ist er dort tätig geworden. Im darauf
folgenden Jahr war er in Frankfurt Mitbegründer der YCK (Vereinigung
der Jugendlichen Kurdistans). In der Anfangszeit seiner Aktivitäten
erlitt er einen Verkehrsunfall und fiel ins Koma. Die Ärzte gaben
seinem Leben keine Chance mehr; Heval Erdal kämpfte und gesundete
nach 8 Monaten wieder. Zu dieser Zeit waren Ali Sapan und sein Onkel
Hüseyin Özserik, die sich um ihn kümmerten, Angeklagte im
Düsseldorfer Prozess. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus
trat Erdal nach kurzer Zeit der Freiheitsbewegung bei.
Vor seinem Eintritt in
die Bewegung stand Heval Erdal unter dem starken Einfluss des
Freundes und späteren Märtyrers Hüseyin Celebi. Bei einem Treffen
mit ihm in Köln hat er die Entscheidung über seinen Beitritt
getroffen und diese seinen Eltern nach der Rückkehr eröffnet. "Ich
werde euch nie vergessen", sagte er beim Abschied von seiner Familie
und hat sich bis zuletzt an diese Worte gehalten. Der Beitritt von
Heval Erdal war die Gelegenheit für Hüseyin Celebi: "Ich habe für
mich einen Ersatz gefunden, jetzt kann ich nach Kurdistan
zurückkehren." Diese Worte wurden Wirklichkeit und Hüseyin Celebi
ging Mitte 1991 nach Kurdistan. Zu dieser Zeit hieß Heval Erdal noch
Hayri. Der Name Erdal wurde ihm von Hüseyin Celebi vorgeschlagen.
Ab diesem Zeitpunkt war Heval Erdal in Deutschland für die
Öffentlichkeitsarbeit und Diplomatie verantwortlich.
Die Freundinnen und
Freunde in diesem Lebensabschnitt wurden von Heval Erdal durch
seinen Fleiß, seine Verbindlichkeit, sein Wissen und Wissensdrang
stark beeindruckt. Die Freiheitsbewegung entwickelte sich rasant und
1992 ging auch Heval Erdal nach Kurdistan. Zuerst besuchte er die
Mahsum-Korkmaz-Akademie, die jedoch 13 Tage später geschlossen wurde.
Dort begegnete er zum ersten Mal Abdullah Öcalan. In den Tagen vor
dem Wechsel in die Berge pflegte er das Beisammensein mit ihm. Als
Abdullah Öcalan ihn wegen seiner Art nach Mustafa Yöndem fragte,
bejahte Heval Erdal seine Verwandtschaft mit ihm. Der damalige PKK-Generalsekretär
Abdullah Öcalan wies ihn darauf hin, dass sein Name nun nicht mehr
Hayri, sondern Erdal lauten sollte. Nach diesen Tagen in der
Akademie wurde Heval Erdal nach Haftanin (Gebirge im irakischen
Kurdistan an der Grenze zur Türkei) versetzt. Kurz nach seiner
Ankunft begann im Oktober 1992 der Südkrieg. Der Freund wurde
sogleich in die Kämpfe verwickelt und verletzt. Trotz seiner
Verletzung mussten ihn die Freunde und Freundinnen zur Aufnahme in
ein Krankenhaus überreden.
In
Botan wurde er akzeptiert
In Botan nahm er in der
Bewegung einen wichtigen Platz ein. Botan gilt als das Herz der
kurdischen Freiheitsbewegung. Heval Erdal wurde in Botan aufgrund
seiner geleisteten Arbeit, Kühnheit und Selbstaufopferung akzeptiert.
Dort entwickelte er sich vom stellvertretenden Gruppenkommandanten
zum Bataillonskommandanten. Letztlich stieg er zum
Gebietskommandanten auf. Auf dem 6. Parteikongress wurde er als
Mitglied ins Zentralkomitee gewählt. Bei der Ausübung der
Gebietskommandantur überließ er die täglichen Aufgaben nicht den
anderen, sondern war beim Jagen, im Gefecht und auch beim Feuer-machen
stets vorn dabei. Das wurde von den Freundinnen und Freunden als
vorbildlich angesehen.
Heval Erdal blieb etwa
10 Jahre in Botan und durchquerte das ganze Gebiet. Er kannte jeden
Punkt, jede Ebene und jede Höhle. In seiner Zeit in Botan wurden
neben ihm Hunderte zu Märtyrerinnen und Märtyrern. Jede und jeder
Einzelne haben tiefe Risse in ihm hinterlassen. Heval Erdal wurde
Verantwortlicher in Botan.
In
seinen Tätigkeiten war er immer Vorbild
Mit seiner Praxis in
Botan war er stets Vorbild. Er hatte die Linie des Generalsekretärs
Abdullah Öcalan beibehalten und diese immer in allem, was er tat,
angewandt. Er war in jeder Hinsicht eine Quelle der Moral.
Nach dem 7.
Parteikongress arbeitete er in Europa. Dort nahm er an der Arbeit in
der kurdischen Bevölkerung teil. Die Menschen, die ihn kennen
lernten, beurteilten ihn als fleißigen, lebensfreudigen und
bescheidenen Freund.
Später übernahm er
diplomatische Aufgaben. Dabei knüpfte er neue Beziehungen und wurde
auch hier in kurzer Zeit zum vorbildlichen Militanten. Als eine
Gruppe junger Freundinnen und Freunde der Bewegung neu beitrat und
sich von Heval Erdal verabschiedete um nach Kurdistan zu gehen,
berührte ihn das zutiefst. Es erinnerte ihn an 1992, als er selbst
sich mit dem gleichen Enthusiasmus verabschiedet hatte.
Die
Rückkehr nach Kurdistan
Im Frühling 2003 wurde
er wieder nach Kurdistan beauftragt. Mit großer Begeisterung nahm er
diese Nachricht entgegen. Heval Erdal wurde nach der 15.-August-Feier
bei einem durch eine Patrone verursachten Unfall zum Märtyrer.
Seinen Platz zu füllen wird schwer werden. Nachdem Mustafa Yöndem
(Erdal) bei einer 15.-August-Feier 1989 zum Märtyrer geworden war,
ereilte dieses Schicksal nun auch Heval Erdal. Heval Erdal wird in
unserer Freiheitsbewegung immer leben!
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