Von Kasım Engin
Als
ich die Bilder von Berlin gesehen habe, sind mir zuerst die
faschistischen und psychopatischen Polizisten von den diesjährigen
Newrozfeierlichkeiten in den –Sinn gekommen und der deutsche General
Moltke, der um die 1830 mit den Osmanen zusammen, den kurdischen
Widerstand in Rewanduz gebrochen hat. Der deutsche General war einer
von denen, die seitens der Osmanen zur Erneuerung ihrer Armee aus
Prusya gebracht worden sind. Statt aber das Heer zu erneuern, haben
sie durch die Brechungsversuche des kurdischen Widerstandes im 18.
Jahrhundert gemordet. Ich weiß nicht, was für ein Unglück sich da
gefunden hat, aber der deutsche Staat hat sich mit uns Kurden immer
negativ auseinandergesetzt. Die erste Bekenntnis in Deutschland
wurde durch einen kurdischen Maulwurf, Cafer Çetiner, durchgeführt.
Vor diesem Bekenntnis hat Deutschland, fast schon als
Spezialbeauftragter in der NATO, gegen uns PKK’ler, besonders in der
Mitte der 80er Jahre harte Angriffe gegen das kurdische Volk
gestartet. Wieder war es Deutschland, die den Plan, der als
„Düsseldorfer Gericht“ in die Geschichte einging und die PKK als
Terrororganisation einstufte, berief. Die ersten Verbote, und auch
alle anderen Anfänge des Unglücks haben mit Deutschland am Anfang
gehabt.
Es ist möglich, Worte wie makaber, unglücklich und
volksfeindlich mit Deutschland in Verbindung zu bringen. Speziell
wenn es um die Kurden geht, hat sich Deutschland mehr als jeder
andere verantwortlich gefühlt und hat uns nicht weniger leiden
lassen, wie der faschistische unberechenbare Staat. Wir können sogar
sagen, dass wahrscheinlich Deutschland der Staat ist, der sich am
meisten gegen die kurdische Freiheitsbewegung gestellt hat, diese am
meisten angegriffen hat, unmenschliche Handlungen durchgeführt hat.
Als ein Jugendlicher, der in Deutschland aufgewachsen ist, kann man
das ohne Übertreibung aufführen. Ein Mensch kann die Frage nicht
umgehen: Wieso so viel Feindschaft? Wieso wird der terroristische
türkische Staat so offen unterstützt? Wieso so viel mit Waffen
beliefert? Wieso greift man als Befürworter des faschistischen
Staates, von den Christdemokraten bis zu den Sozial-Demokraten, von
den Grünen bis zu den so genannten Rechten, die kurdische
Freiheitsbewegung so sehr an? Wie schnell sind die Bilder von den
Guerilla vergessen worden, die auf unmenschliche Weise an deutsche
Tanker gebunden am Boden geschliffen worden sind? Wieso ist das
Senfgas, dass in Halepçe genutzt worden ist, in Deutschland
patentiert?
Es ist möglich, weitere Fragen als Liste
aufzuführen. Wieso könnt ihr uns nicht ertragen, wieso seit ihr so
erbarmungslos, wieso ist euer Geist so auf Verbote eingerichtet? Und
aus diesem Grund, solche Ali Cengiz Spiele?
Man denkt über die letzten Angriffe auf die
kurdischen Jugendlichen in Berlin und versucht die Gründe zu finden.
Wie bei jedem Pferderennen setzen die Imperialisten
in jedem Gebiet, in denen sie sich befinden, auf den Jockey, mit dem
sie am Besten ausnützen und unterdrücken können. Sie tun alles
dafür, damit dieser Jockey gewinnen kann. Der Jockey von den
Deutschen waren die Osmanen, der Jockey von den Osmanen waren die
Deutschen. Die Deutschen wollten mit Hilfe der Osmanen in den
Mittleren Osten einmarschieren, die Osmanen wollten sich mit der
Unterstützung der Deutschen vor dem Untergang bewahren. Der Topf hat
seinen Deckel gefunden. Durch die Verluste im 1. Weltkrieg ist
Deutschland aus dem Mittleren Osten befördert worden und das
Osmanische Reich ist vernichtet worden. Der Topf hat also seinen
Deckel gefunden, aber weil der Topf leer war, hat man nur den Schlag
des Deckels hören können.
Die Imperialisten können nicht so einfach von ihren
Willen fern gehalten werden. Sie werden, egal was passiert, ob es
nun lange oder kurze Wege sind, immer die Möglichkeit suchen, wie
sie wieder an die Schlüssel der Kolonialisierung gelangen können.
Auch wenn dies die Lampe von Aladin ist, muss diese in ihre Hände
gelangen.
Es ist ja bekannt, dass England, Frankreich und
Italien von sich aus in den Mittleren Osten eingezogen sind. Amerika
hat ihren Stil beim Einmarsch richtig zu spüren gegeben. Der Kern
ist, dass alle für ihre Vorteile so oder so einmarschiert sind. Die
Engländer haben wegen der kurdischen Politik die KPD in die Hand
genommen, die USA nutzte die Talabani Karte, Deutschland hingegen
wollte Nord-Kurdistan durch Kemal Burkay, also die PSK in die Hand
nehmen.
Aus heutiger Sicht bereut das England nicht so sehr,
auch die USA nicht. Sie sind ja in Süd-Kurdistan einflussreich. Ja
und Deutschland? Es hat nicht mal das P von SPK, von Burkay weht
nicht mal ein Windchen.
Wieso ist aber Burkay in dieser Situation? Der Grund
dafür liegt darin, dass in den 80er Jahren die stärkste und
wirkungsvollste kurdische Freiheitsbewegung im Norden, also im
Mittleren Norden-Westen Kurdistans, die PSK war. Sie hat has
einflussreichste Kraft alle anderen zurückgebliebenen, feudalen und
kleinbürgerlichen Organisationen aus dem Weg geschoben und das
kurdische Volk um sich gescharrt und wurde zur dominanten Kraft.
Deutschland hatte aber mit der PSK gespielt. Hinzukommt, dass
Deutschland viel Mühen dafür gebraucht hatte, die PKK unter ihre
Kontrolle zu bekommen. War alles umsonst. Der Anschein trog, Burkay
und seine Linie hatten die Prüfung nicht bestanden, Deutschland hat
keine Eintrittskarte nach Kurdistan erhalten.
Wer war der Verantwortliche, die PKK? Welche der
imperialistischen Mächte hat das kleinste Stück der Torte in
Kurdistan? Deutschland! Wer ist dafür verantwortlich? Die PKK! Wenn
man mit dieser Logik voranschreitet ist es klar, dass der
Terrorismus in den letzten 20–30 Jahren und die Kriminalisierung
kein Ende gefunden haben. Es ist auch eine Antwort dafür, dass sie
terroristischer, als der Terrorstatt gegen die kurdischen
Jugendlichen vorgehen. Es ist verständlich, wieso sie die Bilder
unserer Führung verbieten. Es ist verständlich, wieso sie unsere
Fahnen nicht wehen lassen. Dies obwohl wir das in der Türkei und in
Kurdistan trotz allem gemacht haben. Es ist verständlich, wieso sie
uns am meisten verfluchen. Es ist auch verständlich, wieso Schröder,
der dem schein nach Sozialdemokrat ist und in den letzten Wahlen
Präsident geworden ist, dem türkischen Staat hilft. Es ist auch
verständlich, wieso so viele kurdische Politiker angegriffen und
verhaftet werden. Es ist verständlich, wieso die kurdischen Vereine
und Patrioten unter Druck gesetzt werden. Es ist verständlich, wieso
sie die Unterstützungsgelder unseres Volkes beschlagnahmen.
Weiss denn die deutsche BKA nicht, dass die PKK
nichts mit Drogen zu tun hat? Dass sie kein Geld wäscht, keine Waren
schmuggelt und nur mit den Geldern des kurdischen Volkes auf den
Beinen bleibt? Wissen sie denn nicht, wie ihre eigenen Agenten sie
informieren?
Sie wissen das, aber wieso gehen sie, mit auf Lug
und Trug basierenden demagogischen Ausdrücken, so auf unser Volk und
unsere Jugendlichen los? Die Begründung ist oben aufgeführt. Sie
wollen auf diese Weise in den Osten, nach Kurdistan einmarschieren.
Die Karte ist aber leer ausgegangen. Eher gesagt, ist es durch die
Entwicklung der PKK und der Guerilla nicht mehr möglich, so eine
Chance zu haben und das kurdische Volk hat sich für die PKK
entschieden. Es gibt also keine Repräsentationsmöglichkeit mehr für
Deutschland in Kurdistan. Der Kuchen bringt keinen Gewinn für
Deutschland. Die Rechnung ist aber, dass sie heute die kurdische
Freiheitsbewegung mehr noch als die Türken angreifen. Deswegen
werden die Personen und Vereine, die der kurdischen
Freiheitsbewegung nahe stehen, schikaniert.
Wir verstehen das. Wir verstehen sogar mehr. Aber
Deutschland darf dies nicht vergessen: Dieses Volk ist nicht so
verzweifelt. Vor allem ist es nicht so, dass dieses Volk niemanden
hat. Heute hat es überall im Mittleren Osten Verteidigungskräfte,
sie haben die Kraft dazu, genug Verluste zu erteilen. Außerdem, ist
es nicht mehr das Volk von vor 20–30 Jahren. Es ist nun auch
organisiert. Beschwört nicht die starken Gegenreaktionen dieses
organisierten Volkes herauf. Die kleinste Mitteilung an dieses Volk
genügt, um die gleichen Zustände zu schaffen, wie in den Strassen
von Paris, als ausländische Jugendliche es verwüsteten. Sie hat mehr
Kraft dazu als nötig.
Wir haben nun alles angesprochen. Die, die verstehen
wollen, werden es verstehen. Die, die es verstehen müssen, haben es
ganz sicher gut verstanden.
Es gibt ein Ausdruck, der besagt, dass man seinen
Verstand mit Käse und Brot gegessen hat. Wir hoffen, dass
Deutschland endlich damit aufhört, seinen Verstand mit Käse und Brot
zu essen.