Seit
Tausenden von Jahren entwickeln die Völker des mittleren Ostens von
ihrer Heimat aus ihr Leben und ihre Kultur und halten es so
beständig. Speziell das Volk in Mesopotamien, also die Völker, die
zwischen zwei Flüssen leben, haben keine Sekunde sich in den
Veränderungen verloren und erhielten sich bis in die heutigen Tage.
Diese Völker haben in vielen Etappen der Geschichte viele Hürden
nehmen müssen. Man spricht im Bezug auf die Geografie des Mittleren
Ostens nicht umsonst vom „Völkermosaik“. Alle Völker, die bis ins
Heute bestehend sind, mussten dafür grosse Arbeit und grosse Mühen
aufbringen, sie spielten auch eine wichtige Rolle bei grossen
Gründungen.
Es sind die Völker der Kurden, der Armenier, der Perser, der Araber,
der Asyrer und all die anderen Volksgemeinschaften – sie haben alle
zusammen in dieser Geografie gelebt. Auch wenn sie in
unterschiedlichen Zeiten, für Macht und Herrschaft ihre Nachbarn
erbarmungslos angegriffen haben, sie haben sich trotz dem das
Lebensrecht gegeben. Jede Herrschaft aus dieser Geografie wird immer
grösser und grösser. Der mittlere Osten ist mit allen Eigenschaften
ein Reichtum und hat das Interesse von Draussen schon immer
angezogen. Volksgruppen, die den Angriffen von Innen und Aussen
nicht stand halten konnten und Volksgruppen und die Gruppen, die
sich den stärkeren Völkern im inneren hingaben, sind aus dem Bild
der Geschichte verschwunden. Auch wenn diese Völker zu gegebener
Zeit selbst auf dem Thron sassen, konnten sie es nicht verhindern,
dass sie zuletzt selbst zerschmolzen sind.
Der grosse assyrische Kaiser Nebukadnezar hat dem ihn überlegenen
Daryus oder der grosse Alexander hat dem römischen Reich ihre Kultur
und ihre reiches Volksmosaik opfern müssen. Zeugen dieser Geschichte
sind Relikte aus Dörfern und Städten, die verbrannt und
zusammengefallen sind. Die Forschungen an diesen antiken Orten
berichten uns die Wahrheiten aus diesen Zeiten. Neben diesen
Forschungen gibt es natürlich auch die Kurden, die Zeugen dieser
Geschehnisse waren. Die Kurden sind auf der einen Seite Zeugen
dieser Geschichte und haben diesen Völkern, zum anderen, auch sehr
geholfen. Unsere Vorfahren haben mit vielen Ethnien brüderliche
Bünde gegründet. Sie haben sogar viele Ethnien gezeigt, wie der Weg
zur Freiheit aussieht. Das älteste und bedeutenste Fest der
Gesichte, Newroz, ist der grösste Beweis dafür. Es ist heute das
Fest jedes Volkes, ausser der Asyrer, im Osten.
Die Kurden haben in dieser Geografie vielen Völkern ihre
Nachbarschaft, Brüderschaft und Ehrlichkeit gezeigt. Sie haben
denen, die diese Haltung nicht verstanden haben, oder verstehen
wollten, auf ihre Art eingeführt. Sie haben mit aussen Kommenden auf
ehrvolle Weise Allianzen geschlossen. Diese offene, natürliche und
gastfreundliche Art der Kurden ist für alle offen, die Hilfe und
einen Platz brauchen. Der Beweis für diese Art im Heute ist auch in
der Geschichte und Kultur der Kurden wieder zu finden.
Die Kurden haben im Verlaufe der Geschichte gegenüber den Rechten
und den Freiheiten anderer Völker niemals respektlos gehandelt. Sie
haben gegen interne und externe Angriffe, berechtigte Verteidigung
durchgeführt. Sie haben sich gegen die Sumerer, Babylonier,
Griechen, Araber, Perser, Selcuken und die Osmanen verteidigt.
Die Kurden leben seit Tausenden von Jahren auf bescheidene Weise in
ihrem Land und halten an ihrer Kultur und an ihren Bräuchen fest.
Die Sitten konnten bis ins Heute gebracht werden. Aber die
herrschaftssüchtigen und unsättigen Ungeheuer wollten sie immer
unterdrücken und wollten, dass sie sich ihnen anpassen. Als festes
Beispiel können wir die Araber nennen. Bei ihrer Besetzung haben sie
Zehntausende niedergestochen, die Kurden sind trotz dem bei ihrer
bescheidenen Lebensart geblieben. Sie haben aber die von aussen
kommenden, von sehr weit her kommenden mongolischen Stämme nicht
hineingelassen. Diese Barbaren und Plünderer zu Pferd warfen sich,
weil sie keine Heimat hatten, den Völkern des mittleren Ostens vor
die Füsse und wurden auch von diesen akzeptiert. Nach einer
bestimmten Zeit nahm diese barbarischen Horde freiwillig den Islam
an. Sie haben breitwillig auf ihre Identität und ihren Glauben
verzichtet. Natürlich war diese Aufgabe nicht unbegründet. Der Grund
war die Aufteilung der Kraft des Islams. Sie kamen vom mittleren
Asien, von dort gingen sie nach Iran, vom Iran nach Anatolien und
gründen so im ganzen Mittleren Osten ihr Kaiserreich. Das osmanische
Reich, nach den Selcuken, wandte das gleiche Mittel an. Eines wächst
im Iran, das andere in Anatolien. Das Leben des einen war länger,
des anderen kürzer. Das osmanische Reich, das langlebiger war, hat
der Kultur des Völkermosaik des mittleren Ostens die grösste Untat
angetan. Das wurde auch noch im Namen von Schutz und Hingabe
gemacht. Auf dem Rücken ihrer Pferde suchten sie nach einem
Vaterland, ohne richtig ihre Mägen füllen zu können, die Völker des
mittleren Ostens hingegeben besitzten alles. Als dieses Volk in den
mittleren Osten kam, haben die Völker dort ihnen das Recht auf
Nachbarschaft und Freundschaft anerkannt. Sie haben aber diese
Chance für ihre Machenschaften ausgenutzt. Ein Teil dieser Gruppe
aus dem mittleren Asien liess sich im Iran, der andere Teil, mit
Erlaubnis der Kurden, in einer Ecke Anatoliens nieder und vor dort
verteilten sie sich auf ganz Anatolien. Die Städte, auf die sie sich
ausweiteten, waren wichtig in der Geschichte und war die Heimat von
Völkern, die Vorreiter vieler Dinge waren.
Ja, dieser Völker haben euch Brüderlichkeit und Freundschaft
gegeben. In einer Zeit, in der ihr nichts hattet. Und was habt ihr
gemacht? Aber jetzt reicht ihr ihnen diese Hand! Sie sind würdevoll
und haben schon damals die Hand gereicht, jetzt reichen sie diese
Hand ohne es leid zu sein. Wieso reicht ihr den Kurden, die in der
Geschichte euch die grösste Hilfe angeboten haben, nicht die Hand?
Dieses Volk will von euch nichts, ausser Würde. Obwohl ihr so viel
gemordet habt, unterdrückt, gefoltert, ganz offen gesagt, ihr
wolltet ihnen Anstand beibringen und habt sie in Armut fristen
lassen – trotzdem treten sie euch nicht mit Rachegefühlen entgegen.
Sie wollen trotz allem, Gleichberechtigung, Brüderlichkeit und
Freundschaft. Wieso wird trotz dieses ganz natürlichen Wunsches, so
barbarisch auf diesen Wunsch unseres Volkes reagiert und Angriffe
durchgeführt?
Wenn die Situation also diese ist und gegen das kurdische Volk und
gegen die Werte des kurdischen Volkes die Meinung „ich verleumde
euch und werde euch vernichten“ besteht, egal was passiert und das
im Praktischen wie in Van und Yüksekova aussieht – nämlich so, dass
unser wehrloses Volk, vor den Augen der Welt, vernichtet werden soll
– so kann das kurdische Volk nicht mehr über Brüderlichkeit und
Freundschaft reden. Ihr dürft nicht glauben, dass das kurdische Volk
diese schwache und ehrlose Näherung, nach 80 Jahren Antwort auf
dieser Art, akzeptieren wird.
Habt ihr nicht eure Schlüsse aus der kurdischen Bewegung ziehen
können, die seit 30 Jahren von der PKK geführt wird? Wenn unbedingt
ein Krieg zwischen den Völkern gefordert wird, was passiert dann mit
den Türken? Wird denn das türkische Volk im Verlaufe dieser Kriege
zwischen Völkern nicht immer schwächer und zur Zange für die
äusseren Mächte? Werdet ihr es ertragen können, dass jeder von
irgendwoher etwas verlangt? Wenn ihr nicht schon wieder ohne Heimat
sein wollt und unüberlegt dastehen wollt, oder wenn ihr nicht zurück
unter den mongolischen Himmel wollt, solltet ihr die friedliche
Hand, die aus Imrali ausgestreckt wird, halten.
Wir wollten nur anführen, dass nach einem Volkskrieg dort keine
ausgestreckte Hand mehr sein wird.