Ich
war im verlaufe der Operationen aus der Luft, vor den
Landoperationen, die ganze Zeit dort. Jetzt hingegen bin ich Tausend
von Kilometern entfernt.
Sie schauten vom dünnen Faden zwischen Leben und Tod zu. In der Luft
Tod bringende Erfindungen - es hätte jeden Moment jemand mit dem
kalten Gesicht des Todes von Angesicht zu Angesicht kommen können.
Das interessierte sie aber überhaupt nicht. Ich wunderte mich über
die ruhige Haltung gegenüber der Tatsache, dass über uns
Kriegsflugzeuge flogen, die jeden Moment bereit dazu waren den Tod
von sich zu geben. Mit der langjährigen Erfahrung spüren sie das
Kommen der Flugzeuge und rennen zu ihren Positionen. Obwohl es um
Leben und Überleben geht, hat man in ihren Gesichert weder Angst,
noch Panik, noch Beunruhigung und Verwunderung gesehen. Sie nehmen
das Leben und den Krieg so ernst, dass sie sich psychologisch,
denkend, militärisch und seelisch voll ausstatten. Ich wundere mich
darüber, “warum sie den Tod so verhöhnen, als so einfach annehmen”.
Mit der Zeit verstehe ich, dass keiner von ihnen den einfachen und
billigen Tod sich zu Eigen macht. Aber für ihr Ziel, für das setzen
sie ihr Leben ein ohne die kleinste Besorgtheit oder Kummer.
Vielleicht ist der Grund für ihre Unbekümmertheit gegenüber dem Tod
auch die Realität, dass ihre unbeschreibliche Liebe gegenüber dem
Leben, den Menschen und der natur, die Realität, dass sie die
Freiheit bis ins letzte Detail genießen. Vielleicht ist es auch so,
dass sie den kurzen Momenten der Freiheit eine große unendliche
Liebe geweiht haben... Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß und auch
Zeuge geworden bin ist eine Realität. Diese ist, dass das Herz der
Guerilla mit der Hoffnung der Freiheit schlägt, sie sind aber gegen
die, die diese Hoffnungen mit Schüssen entweihen wollen, mit ihren
lächelnden Gesichtern und ihre aufopferischen Geistern immer auf der
Hut. Hinzukommt, dass keiner hierzu Befehle verteilen und Gewalt
anwenden muss. Es kommt aus tiefstem Herzen und sie sind bereit
dazu, auch ihr Leben dafür zu geben.
Ich bin mitten in einem richtigen Krieg. Das beruhigt mich ein ganz
klein Wenig. Es ist nämlich schwieriger in der Position des
Zuschauers, mit was wäre wenn Fragezeigen, besorgt wartet und die
Ergebnisse hinnimmt, zu sein. Auf dieser Insel der Gewissheit habe
ich nur eine Sorge. Diese Sorge ist die Frage, wie viel
Menschenleben diesem Krieg noch zum Opfer fallen werden. Der
türkische Generalstab hatte dem entgegen mit großer Begeisterung in
der Regierung die Entscheidung um die grenzüberschreitenden
Operationen getroffen, und hat ohne ein richtiges Ziel leere Felder
bombardiert. Blut und Tod müssen den türkischen Generalstab trunken
gemacht haben, denn sie haben vor Kriegsbeginn sich als Sieger des
Krieges ausgerufen.
Die Guerilla hingegeben, ist bei den letzten profesionellen
Vorbereitungen, ohne Platz für Aufregung und leere Siegessprüche zu
lassen. Die Kriegstaktiken der Guerilla werden noch einmal
durchdacht, alle Grenzübergänge, strategische Hügel und Stellungen
werden aufgeführt. Bei allen ist der Ernst der Lage, die Aufregung
und auch die Moral auf höchster Stufe. Alle verlangen bei der HPG
auf vorderster Front zu sein und setzen sich dafür ein, weil sie
jahrelange angestaute Rache und Wut in sich verspüren. Ein letztes
mal werden die Kalaschnikow, die sie seit Jahren bei sich tragen,
gereinigt.
Ich frage mich und finde es auch sehr interessant, dass die
weiblichen Guerilla, die so menschlich und hütend sind, dass sie
nicht mal das kleinste Lebewesen zertreten könnten, mit einer solch
grossen Entschlossenheit, Aufregung und Glauben sich auf den Krieg
vorbereiten. Wieso sollten sie sich nicht vorbereiten? Ist es denn
nicht ihr Land gewesen, dass Hunderte von Jahren ausgeraubt worden
ist, ist es nicht ihr Volk gewesen, dessen Anteil immer der Tod war?
Und ist es nicht ihre Sprache und ihr Bestehen, dass momentan
verleugnet wird, ist es nicht ihre Freiheit, die ihnen aus den
Händen genommen werden will? Sie Hunderte von Kindern, die auf den
Strassen unter Beschuss standen und als „Vaterlandsverräter“
deklariert worden sind, nicht Mitglieder ihres Volkes? Und waren es
nicht wieder sie selbst, die den neusten Foltererfindungen
ausgesetzt waren?
Man muss Zweifel an der Menschlichkeit und an dem Gewissen der
Personen haben, die nicht ‘Êdî Bes e’ (es reicht) zu denen sagen,
die nicht mal die Leichen der Guerilla ertragen können, diese
zerteilen, die Leichen der weiblichen Guerilla vergewaltigen – die
nicht Hass, Wut und Rachegefühle hegen. Ich werde von den
Vorbereitungsarbeiten der Landstreitmächte zum Krieg „entfernt“.
Leider werde ich zum Zuschauer dieses Krieges. Mein einziger Trost
ist, dass ich in den Augen der Guerilla und in ihren Herzen den
Glauben an den Sieg, die Entschlossenheit, die Sehnsucht nach einer
freien Zukunft, gespürt habe. Dies bestärkt mich.
Die türkische Armee, die mit dem Ausruf “grenzenlose Sauberkeit” in
die Medya Verteidigungsgebiete einmarschiert sind, musste mit
grossen dreckigen und obsiegten Flecken, von den Freiheitsverliebten
aufopfernden Helden geohrfeigt, mit runter hängenden Köpfen zurück
kehren. Sie wollten eigentlich den Kreis um die HPG einengen, haben
sich aber nur mit Müh und Not von dem eingeengten Kreis der HPG
retten.
Der Generalstab der Türkei muss wohl für einen Moment vergessen, wer
die Löwen sind, die seit Jahren in den Bergen leben und diese wie
ihre Westentasche kennen. Aber die HPG hat sie wieder daran
erinnert. Die Soldaten, die mit einer Einfall-Taktik die HPG sorglos
jagen wollten, sind selbst gejagt worden.
Ja, die Geschichte hat wieder gezeigt, dass Krieg ein nicht so
einfaches Spiel ist, wie man sich das vorstellt. Die ganze Welt
konnte in den Gesichtern der türkischen Soldaten erkennen, dass sie
nicht für diesen Krieg waren. Aber, man sieht, dass die „Götter des
Krieges“ die Entscheidung dafür gefällt haben – sie hatten die
Aufgabe der Verwirklichung. Wenn die türkischen Soldaten, die
Familien der Soldaten ein wenig Stolz haben, müssen sie der
Sympathie zum Krieg einhalt gebieten. Ansonsten werden sie noch
grösseren Leid ertragen müssen. Ich hoffe, dass die USA auch ihren
Anteil von diesem zermürbenden Ergebnis erhalten hat. Denn diese
ganze dreckige Besetzungskoalition ist durch ihre Unterstützung und
Einverständnis zustande gekommen. Die Erlaubnis zum Einmarsch, wie
auch der Befehl zum Rückzug wurde durch niemandem anderen als durch
Amerika erteilt. Die Türkei wird noch mehrere Male verlieren, weil
sie sich so an jemand anderen angenabelt hat. Auch naht das Ende von
Talabani, der seine Vorteile aus diesem Krieg ziehen will, einen
geeigneten Markt sucht, um die Kurden zu verkaufen und die
Bestrebungen unseres Volkes als nichtig betrachtet und dabei seinen
Wanzt vergrössert. Von Tag zu Tag vermehrt sich die Sympathie
unseres Volkes im Süden für die PKK, weil sie die Gesichter der
Personen wie Talabani erkennen können. Das hat man auch in dem
letzten Krieg gesehen, in dem unser Volk im Süden daran geglaubt
hat, dass die PKK die einzige Widerstandsquelle unseres Volkes ist
und haben sich für sie eingesetzt.
Die kurdischen Frauen haben am 8. März mit der Euphorie des
Zap-Aufstandes im Volksaufstandssinne gefeiert und den Widerstand
der Guerilla begrüsst. Sie haben zum System, der durch die Männer
patentiert ist, der Gewalt, dem Mord und dem Militarismus, die die
Quellen des Systems sind ‘Êdî Bes e’ (es reicht) gesagt. Und jetzt
bereiten wir uns als kurdisches Volk, auf das diesjährige
Freiheitsfest Newroz vor, darauf zu sterben, zum “Êdî Bes e“ sagen,
zum Ausrufen des Friedens, um Millionen von Herzen auf dem Weg nach
İmralı einzufliessen. Ich glaube daran, dass wir auch zu diesem
Newroz der Nachricht „wir kämpfen für das Leben, und sterben für die
Freiheit“ gerecht werden. Die kurdische Jugend, die sich mit ihrem
aufopfernden Geist an ihr Volk gehängt hat und die kurdischen Frauen
mit ihren Aufständen müssen die Vorgänger sein.
Ich grüsse meine Genossen aus der HPG, die sich für die Freiheit und
den Frieden des kurdischen Volkes opfern, das seit Tausenden von
Jahren unter Besetzung und Fremdherrschaft steht.