Von Özgür Bilge
WAS WÜRDE PASSIEREN, WENN
ALPARSLAN ZUM GUERILLA
UND ROJDA TÜRKISCH WERDEN
WÜRDE?
Diese Überschrift ist für
uns Kurden keine Spekulation. Es zeigt nur eine Perspektive des
Volksmordes auf, dass wir momentan durchleben. Ich denke nicht, dass
ein einziger Kurde wegen dieser These Einwände hätte. Wenn wir
einwenden würde, würde das bedeuten, dass wir weder die Politik
verstanden haben, die der türkische Staat uns gegenüber nutzt, oder
wir haben die Auto-Volksmord-Politik nicht verstanden, die wir an
uns selbst ausführen. Es ist der Wunsch des volksmordenden
türkischen Staates uns an den Volksmord zu gewöhnen. Nicht nur der
Staat will das. Auch die angeblichen Demokraten, die, die sich als
linke türkische Gelehrte bezeichnen, beherbergen die gleiche
faschistische Haltung. Auch sie sind einzelne Beauftragte des
Staates, damit die Kurden gemordet werden. Sie wollen das gleiche
Ergebnis wie der Staat erzielen.
Wenn ich jetzt ein paar
feste Beispiele aufführe, ist es leichter zu erkennen, was der
türkische Staat und die angeblichen Gelehrten im Sinn haben. Hier
ein paar Beispiele:
Vor drei Jahren war in der
Zeitung Sabah eine Serie von Ergün Babahan vorhanden. Es waren drei
Teile. Der Name der Serie war „Problem des Süd-Osten’s“. Er nannte
es nicht einmal „Kurdisches Problem“. Am Ende seiner Serie hat er
einen Lösungsvorschlag gemacht. Er sagte: „früher waren die Namen
der Kurden Alparslan und Mehmet. Sie haben kurdisch geredet. Jetzt
hingegen heissen sie Egit und Rojda. Aber sie reden türkisch. Wenn
es so weiter geht, wird in 20 Jahren sowieso niemand mehr da sein,
der kurdisch redet. Auf natürlichem Wege wird, weil es niemanden
mehr gibt, der kurdisch redet, das „kurdische Problem“ sich von
selbst lösen.“ Babahan hat mit der Aufführung dieser Sätze den
Faschisten in sich zum Vorschein gebracht. Zugleich griff er auch
dem Volksmordplan des Staates unter die Arme. Auch der als Linker
maskierte Ruşen Çakır hat sich an einer „kurdischen Konferenz“ in
Deutschland mit einer ähnlichen Lösung beteiligt. Er konnte sagen:
“Für die Lösung dieses Problems ist die Konjunktur in der Türkei
noch nicht gereift, es braucht noch eine Zeit von zwei
Generationen“. Also, wenn nun eine Generation mit 20 Jahren
berechnet wird, müssen also, nach seiner These, 40 Jahre vergehen,
damit dieses Problem gelöst wird. Als er das sagte, hatte er schon
berrechnet, dass die Kurden bis in 40 Jahren vollkommen dem
Volksmord unterlegen sein würden. Und das hinterhältig mit einer
Maske, als alter Linker getarnt. Schade, dass niemand in der
Konferenz Çakır danach befragt hat, was er eigentlich damit sagen
wolle.
Auf der einen Seite die
breitgefächerte Volksmordpolitik des Staates, auf der anderen Seite,
unser Automechanismus, mit dem wir selbst einen Volksmord an uns
treiben.
Das hält weder, Körper, noch
Gewissen, noch Kopf aus.
Gehen wir mal Zehn Jahre in
die Vergangenheit. Es gab vereinzelt kurdische Namen. Viele, die zur
Guerilla gekommen sind, hiessen Alparslan. Mehmet. Leute aus unserem
Volk, mit solchen Namen, sprachen türkisch. Jetzt sehen wir, dass
der Name Egit ist. Aber er spricht türkisch. Der Name ist Rojda. Der
Name ist Mizgin. Aber sie sprechen türkisch. Hinzukommt, dass sie
ihre eigene Sprache nicht kennen. Sie kennen ihre Kultur nicht. Sie
übernehmen die Kultur des Feindes. Wir treffen auf Leute mit diesen
Namen, die Namen, die mit dem Blut der gefallenen Märtyrer, mit
ihrem Leben ersiegt worden sind.
Was für eine grosse
Zwiespältigkeit in dieser Situation herrscht.
Mit dem Namen Kurde, mit dem
Geist jemand anders.
Mit dem Namen Kurde, mit der
Seele Türke, Araber, Perser, Deutscher, Engländer, Russe o. ä.
Was soll ich mit einer
Mizgin, die keine nationale Seele hat
Was soll ich mit einer
Rojda, die keine nationale Seele hat
Was soll ich mit einer
Rojda, deren Wahrheit nicht mehr da ist, nur die Form
Was soll ich mit einer
Rojda, deren Fleisch und Blut dem Feinde gehört
Wir brauchen Kurden, die
kurdisch riechen, kurdisch Lächeln, kurdisch sprechen, kurdisch
denken und schreiben können. Wir brauchen Kurden, die dem Geist der
PKK entsprechen.
Für alle, die das nicht
wissen, möchte ich eine Erinnerung aussprechen.
Wusstet ihr?
Die Guerilla hat sich auch
dieser grossen Zwiespältigkeit angenommen. Jeder neue Guerilla wird
zum Kurden. Er lernt auf kurdisch. Er kann auf kurdisch schreiben
und kurdisch reden.
Die lässt die türkische
Armee und die Volksvernichtungspläne der AKP einfach im Regen
stehen. Dies machen sie, damit Rojda nicht türkisch wird. Und das
wir im Feuer des Gefechts, im Krieg gemacht. Die kurdischen
Alparslan werden zu Egit, und Mazlum, sie werden zu Guerilla, sie
werden frei. Auf diesem Wege, wenn auf den Bergen Kurdistans
Alparslan und Egit sind, wird Rojda nicht türkisch.
Sie wird kurdisch. Gleich
und frei wird sie. Mit ihrer eigenen Farbe, ihrer eigenen Sprache,
ihrer eigenen Kultur kommt sie auf diesen Bergen, noch einmal auf
die Welt. So wie Ahmet Arif gesagt hat:
„Diese Berge kennen unsere
Glückseligkeit“
Sie kennen unseren
Widerstand.
Sie kennen unsere Kultur.
Sie kennen unsere Sprache.
Sie kennen unsere Besé.
Sie kennen unsere Zarife.
Auch unsere Seele kennen
sie.
Gibt es denn einen anderen
Ort, der unsere Glückseligkeit, unser ein und alles kennt?