An unser Volk und die
Öffentlichkeit!
Die
Diskussionen und Aussagen der letzten Tage im Zusammenhang mit den
Prozessverhandlungen der acht türkischen Soldaten, die bei
Auseinandersetzungen in Ormar von der kurdischen Guerilla gefangen
genommen wurden, entsprechen nicht der Wahrheit.
Sowohl das verhängte Berichterstattungsverbot als auch die Forderung
nach lebenslänglichen Strafen sowie die 800 Seiten umfassende
Anklageschrift weisen daraufhin, dass mit dem Verfahren ein
Präzedenzfall geschaffen werden soll. Es ist offensichtlich
beabsichtigt, am Beispiel der acht Soldaten andere einzuschüchtern
und zu bedrohen und deutlich zu machen, dass ihnen das gleiche
widerfahren wird, sollten sie sich von der kurdischen Guerilla
gefangen nehmen lassen. Um zu verschleiern und die Öffentlichkeit
von diesen Verfahren fernzuhalten, werden falsche Beschuldigungen in
der Anklageschrift aufgestellt und gezielt an die Presse gegeben.
So wird zum Beispiel behauptet, es habe zwei Tage vor Gefangennahme
und während der Auseinandersetzung in Oramar Funkkontakt der
Guerilla mit den Soldaten gegeben. Da es diesen Funkkontakt
tatsächlich aber nicht gab, konnte es folglich auch keinen
Informationsaustausch geben, wie in der Anklageschrift behauptet.
Falsch ist ebenso die Aussage, die Soldaten hätten sich freiwillig
gestellt. Es trifft auch nicht zu, dass der Soldat Ramazan Yüce die
anderen Soldaten dazu verleitet haben soll, sich zu ergeben bzw.
sich zu stellen. Im Gegenteil: die Soldaten haben gekämpft, bis sie
ihre Munition ausgegangen war. Richtig ist vielmehr, dass der
Offizier, Halis Tan, sich mit seinen Soldaten gestellt hatte.
Ramazan Yüce war derjenige von den 8 Soldaten, der am heftigsten
Widerstand geleistet hat und sich im Laufe des Gefechts eine
Handverletzung zugezogen hatte, die ihn letztlich kampfunfähig
gemacht hat.
Warum man gegen ihn, den einzig verletzt gefangen genommenen Soldat,
so hart vorgeht, wird, liegt wohl daran, dass er Kurde ist. Außerdem
geht aus der Anklageschrift hervor, dass diejenigen, die bei diesem
Ereignis geflüchtet waren, belohnt wurden im Gegensatz zu den
Festgenommenen, die jetzt vor Gericht gebracht wurden.
Uns liegen Beweisstücke wie Video- und Tonaufnahmen der Soldaten vor,
welche die momentan in der türkischen Presse kursierenden
Behauptungen widerlegen würden.
Es widerspricht jeglichen ethischen und moralischen Vorstellungen,
dass das türkische Militär, das in Oramar eine große Niederlage
hinnehmen musste, die Verantwortung für diesen Zwischenfall einigen
wenigen Soldaten zuschiebt.
Wenn es Verantwortliche gibt, dann sind es türkische Generäle wie
Ilker Başbuğ.
Im NATO-Mitgliedsland Türkei herrschen unhaltbare Zustände, die aber
offenbar von der internationalen Staatengemeinschaft toleriert
werden.
Welche Armee dieser Welt verurteilt seine Soldaten, weil diese
gekämpft haben, aber nicht gestorben sind?
Wir wissen: Auch wir tragen eine ethische Verantwortung dafür, dass
diese Soldaten nicht in Sicherheit sind und offenbar vernichtet
werden sollen.
In diesem Bewusstsein sind wir davon überzeugt, uns gegenüber den
gefangenen Soldaten fair verhalten zu haben. In der Zeit der
Gefangenschaft ist ihnen keinerlei Schaden zugefügt worden. Wir
haben die Soldaten in der Annahme freigelassen, dass sie nach ihrer
Freilassung weiterhin in Sicherheit sein werden.
In diesem Zusammenhang wenden wir uns vor allem an die kurdische
Jugend. Am Fallbeispiel von Ramazan Yüce ist sehr deutlich zu sehen,
dass es den türkischen Machthabenden nicht ausreicht, dass wir
während des Wehrdienstes als Kurden gegen unsere eigenen Leute zu
kämpfen gezwungen werden. Vielmehr will man die jungen Soldaten tot
sehen. Deshalb konfrontiert man die Soldaten, die nicht starben, mit
der Frage “Warum seid ihr nicht gestorben?“, verurteilt und sperrt
sie ein. In diese tödliche Falle dürfen kurdische Jugendliche nicht
mehr geraten. Die einzig richtige Lösung ist daher, den
Militärdienst zu verweigern und den Kriegsdienst nicht anzutreten.
Der Kommandanten Rat des HPG
Hauptquartiers
(Volksverteidigungskräfte)